Segeltörn Rund Rügen – Tage 9 bis 11

Segeltörn Rund Rügen – Kurzbericht – Tage 9 bis 11

KarteTag 9: Barhöft –> Warnemünde
Tag 10: Warnemünde –> Orth
Tag 11: Orth –> Marina Wendtorf

 

 

Tag 9 – Mittwoch

Beeilung beim Frühstück und Schiff startklar machen. Tagesziel ist Warnemünde, direkter Weg sind ca. 40 Seemeilen, davon die Hälfte bis Darßer Ort fast reiner Westkurs.
Laut Wetterbericht soll Westwind der Stärke 4 bis 5 Beaufort vorherschen. Das heißt kreuzen und relativ viel Seegang, es wird also ein langer Tag. 😦
Größtenteils blauer Himmel und Sonnenschein, Wind aus West mit 3 – 4 Beaufort als wir nach dem Frühstück auslaufen. Bereits kurz nach dem Hafen setzen wir Segel und folgen den schmalen Fahrwasser, das zwischen dem Darß und der Insel Hiddensee auf die freie Ostsee führt.
Kurz nach dem Setzen der Segel gibt es einen Ruck, wir verbeugen uns alle, nicht weil wir höflich sind, sondern weil unser Freund J. am Ruder unkonzentriert war, eine Fahrwassertonne übersehen hat, sein Schiff auf eine Untiefe gefahren hat und so dafür sorgte, dass das Schiff abrupt aus voller Fahrt gestoppt wurde.
Nicht schlimm, Schräglage des Schiffes erhöht, kurz den Motor an und wir waren wieder im Fahrwasser.
Ist man zwischen Darß und Hiddensee auf die Ostsee gekommen, muss man noch ca. drei Seemeilen einem Fahrwasser fast parallel zur Insel Hiddensee folgen und hat so genügend Zeit sich von der schönen Insel zu verabschieden.
Wir hatten diese Zeit nicht ganz, denn als wir aus dem Windschutz des Darß kamen, hatten wir Westwind mit Stärke 4 – 5 Beaufort und noch kräftigeren Böen. Wir entschieden sofort das Großsegel zu reffen (reffen = Fläche des Segels verkleinern) und das kostet Zeit und erfordert konzentriertes Handeln.

Tag-09-Bild-01

Marina hatte ob des zu erwartenden Seeganges bereits eine „Anti-Kotz-Tablette“ genommen, daher ging es ihr trotz des höher werdenden Seeganges gut. Nach einigen Stunden Kreuzerei gegen den Wind ließ die Wirkung der Tablette nach, sie nahm eine weitere und die machte sie so müde, dass sie den Rest des Tages im Salon auf dem Sofa lag und meistens schlief. Wenn wir Segelmanöver durchführten sagten wir ihr Bescheid, damit sie nicht vom Sofa rollte sondern sich vor dem Manöver auf das Sofa auf der anderen Seite des Schiffes begeben konnte.

Wir quälten uns mit gelegentlich drehenden Winden, mal Hoffnung weckend in eine für uns günstigere Richtung, mal frustrierend in eine für uns ungünstigere Richtung.
Natürlich hatten wir auch mit wechselnd starker Gegenströmung zu kämpfen.
Mittags freuten wir Männer uns über die vorgekochte Suppe und genoßen die wärmende  und stärkende Mahlzeit. Marina mochte nichts essen.

Nachmittags wurde der Wind dann weniger und wir nahmen das Reff aus dem Großsegel. Leider braucht der Seegang immer ziemlich lange um sich zu beruhigen, so dass die Wellen immer wieder das Schiff kurz abbremsten.

Um 16:30 Uhr hatten wir es endlich geschafft! Nein nicht in Warnemünde zu sein, wir hatten Darßer Ort querab und konnten ohne zu kreuzen direkten Kurs auf Warnemünde nehmen. Das war allerdings immer noch 23 Seemeilen entfernt und wir hofften sehr, dass der Wind nicht wieder in eine für uns ungünstige Richtung dreht!

Diesmal wurde unsere Hoffnung nicht enttäuscht, der Wind hielt seine Richtung, schwächte aber noch auf 3 Beaufort ab.
Der Seegang wurde langsam aber stetig weniger und Marina erschien wieder an Deck weil es ihr zusehends besser ging.

Tag-09-Bild-02
Gegen 20:30 Uhr waren wir fest im Yachthafen Hohe Düne in Warnemünde.
Das Foto links ist an Tag 10 aufgenommen worden.
Aus ca. 40 Seemeilen direktem Weg sind durch Gegenströmung und kreuzen 63 gesegelte Seemeilen geworden!
Nach diesem langen und anstrengenden Segeltag stand keinem von uns der Sinn nach Landgang und so beschlossen wir den Abend mit einem gemütlichen Plausch.

Tag 10 – Donnerstag

Die Sonne scheint und es sind nur wenige kleine Wolken am Himmel.
Unser heutiges Ziel ist Orth auf Fehmarn. Die Wettervohersage hat uns Wind aus Südwest mit Stärke 3, später umlaufend Stärke 0 bis 1 versprochen.

Damit wir möglichst viel Nutzen von dem versprochenen anfänglichen Südwest haben sind wir extra früh aufgestanden und bereits um kurz nach 08:00 Uhr ausgelaufen.

Naja, versprechen kann man sich ja mal!!!

Nach dem Auslaufen stellten wir fest, dass das Wetter den Südwestwind mit Stärke 3 ausgelassen hat und den Tag gleich mit umlaufender Flaute begonnen hat.
Segeln brauchten wir gar nicht zu versuchen und so fuhren wir die ganze Strecke mit Motor unter strahlend blauem Himmel und sengender Sonne.
Mittags gibt es den Rest der Suppe von gestern, es reichte gerade für uns Drei.

Als wir Fehmarn erreicht hatten zogen immer mehr Wolken auf und brachten auch etwas Wind mit -sogar aus der richtigen Richtung- , unsere Motivation für die letzten paar Meilen noch die Segel zu setzen lag jedoch bei maximal null und so ließen wir die Segel eingepackt.

Tag-10-Bild-01
Heute sind wir mal früh im Hafen, so ca. 15:30 Uhr und trotzdem ist er schon rammelvoll!!!

Tag-10-Bild-02

 

Nur mit Mühe fanden wir noch einen Platz längseits an einem Motorboot.

 

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Trotz der aufziehenden Regenwolken entschieden wir uns für einen Spaziergang zum 2,6 Kilometer entfernten Leuchturm Flügge. Das Regenradar versprach, dass es ausreichend lange trocken bleiben würde!

Vorher musste natürlich das Hafengeld bezahlt werden und was noch???

Richtig ein Eis und Cappuccino sind sehr hilfreich, wenn man sich für einen Spaziergang stärken möchte! 😉

Am Hafen gab es ein Restaurant auf dessen Terasse gerade ein Tisch frei wurde.
Für Marina gab es ein riesiges Stück leckerer Baisseetorte und eine Cappucchino, für J. einen Erdbeerbecher mit Vanilleeis, frischen Erdbeeren und Schlagsahne und einen Kaffee und für mich einen ebensolchen Erdbeerbecher und einen Cappucchino. Das war sehr, sehr lecker!!! 😉

Tag-10-Bild-05 So gestärkt machten wir uns auf den Weg.

Unterwegs sahen wir eine Entenmutter mit Ihren

 

 

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Küken

 

 

 

Tag-10-Bild-06 und erreichten recht schnell den Leuchturm.
Besichtigen konnten wir ihn leider nicht, da er geschlossen war.

Also machten wir uns auf den Rückweg und gingen – der Versuchung einen zweiten Erdbeerbecher zu essen widerstehend– direkt an Bord.

Bei uns war ein weiteres Schiff längseits gegangen. Der Eigner des Motorbootes wollte das eigentlich nicht so gerne und wir überlegten gerade die wohlgesetzten Worte, die den ungebetenen Längsseitslieger freundlich aber bestimmt dazu auffordern sollten sich einen anderen Liegeplatz zu suchen, als laut der Name von J. gerufen wurde.

Das Schiff, das bei uns längseits gegangen war gehört langjährigen und guten Freunden von J. .  Deren Sohn, den J. schon von Kindheit an kennt, war mit seiner Frau und seinen beiden Kindern mit dem Schiff seiner Eltern unterwegs, hatte unser Schiff erkannt und auch mit dem Eigner des Motorbootes schon geklärt, dass er bei uns längsseits liegen bleiben konnte.

Es fing an zu regnen und so bauten wir schnell  das Zelt über der Plicht (das ist der offene Bereich des Schiffes in dem man sich beim Segeln aufhält) auf, damit wir trotz des Regens trocken oben sitzen und das Hafenleben beobachten konnten.

Für Morgen waren sich die Wetterberichte nicht einig. Der Deutsche Wetterdienst sagte Westwind mit Stärke 5 bis 6 vorher – das würde einen Hafentag bedeuten.
Wetter Online und Windfinder sagten Südwestwind Stärke 4 bis 5 und ab Mittag Westwind mit Stärke 3 bis 4 voraus – mit Südwestwind Stärke 4 bis 5 könnten wir,
frühes Auslaufen vorausgesetzt, die Strecke bis zur Marina Wendtorf am Vormittag ohne zu kreuzen schaffen.
Aber wer hatte nun recht???? Wir beschlossen früh aufzustehen und nach Blick auf die aktualisierten Wettervorhersagen zu entscheiden, ob wir einen Hafentag machen oder segeln.

Nachdem die Kinder von J.s Freunden in der Koje waren haben wir alle zusammen bei uns im Zelt über der Plicht gesessen und uns bis weit nach Mitternacht über alles Mögliche sehr nett unterhalten.

Tag 11 – Freitag

Wir sind früh aufgestanden, zum Frühstück gab es Aufbackbrötchen statt frischer Brötchen, der Himmel ist bedeckt, es ist saufrisch aber immerhin regnet es nicht.
Heute früh sind sich alle Wetterberichte einig. Vormittags Südwestwind Stärke 4 bis 5, der mittags auf West dreht und auf Stärke 3 bis 4 abnimmt.
Also auslaufen – aber bei J.s Freunden an Bord rührt sich noch nichts, selbst von den Kindern ist nichts zu sehen und zu hören.
Als wir unser Schiff auslaufbereit machen zeigt sich ein erstes verschlafenes Gesicht bei unseren Liegenachbarn. „Ihr wollt auslaufen? Ok, dann laufen wir auch aus und fahren schnell unter Motor die paar Meilen nach Heiligenhafen, wir müssen auch nach Hause.“

So laufen wir denn gemeinsam aus, setzen bald die Segel und werden ausgiebig umrundet und gefilmt. Leider haben es die Filmchen noch nicht zu mir geschafft.

Bedauerlicherweise haben wir Westwind der Stärke 3 bis 4 und müssen nun doch kreuzen. Der Seegang ist ätzend, die „Anti-Kotz-Tablette“ hat Marina wieder sehr schläfrig gemacht und sie verbringt den ersten Teil der Fahrt auf den Sofakojen unter Deck.
Als die Schläfrigkeit nachlässt kommt sie wieder an Deck. Nach einer Weile dreht der Wind tatsächlich auf Südwest und nimmt auf Stärke 4 bis 5 zu.
Die Wolken werden weniger und die Sonne scheint immer häufiger auf uns.
Nach etwas mehr als der Hälfte der Strecke, J. macht unter Deck ein Nickerchen, kommt eine Böe mit Stärke 6, das Schiff legt sich noch mehr auf die Seite, und wir werden ziemlich schnell. J. kommt nach oben und teilt meine Meinung, dass die Böe gleich vorbei ist, weil sie von der kleinen grauen Wolke über uns verursacht wird, die gleich vorübergezogen sein wird.
Also wird nicht  gerefft. Nach kurzer Zeit ist die Böe tatsächlich vorbei und ich gehe nach unten um mir ein Brötchen zu schmieren. Das Schiff legt sich wieder auf die Seite und der Wind bläst mit konstant 6 Windstärken und dreht um 25 Grad in westliche Richtung.
Das ist blöde, verlängert es doch unsere zu segelnde Distanz nicht unerheblich!

Statt zu reffen nehmen wir das Großsegel ganz runter. Der Geschwindigkeitsverlust ist minimal aber das Segeln ist sehr viel angenehmer.
Als wir glauben, ohne weiteres Kreuzen zur Marina Wendtorf gelangen zu können nehmen wir Kurs auf dieselbige. Der Wind wird immer schwächer, wir immer langsamer, der Seegang ist unverändert hoch, die Srömung versetzt uns in die falsche Richtung und 6 Seemeilen vor dem Hafen haben wir keinen Bock mehr auf die blöde Kreuzerei!

Wir rollen auch das Vorsegel ein und fahren die restliche Strecke unter Motor. Wir sind dabei zwar nicht schneller als unter Segeln, aber wir können direkten Kurs gegen den Wind zur Marina Wendtorf fahren.

Um 16:00 Uhr waren wir fest am Liegeplatz in der Marina Wendtorf. Wir packten die Sachen, klarten das Schiff auf und fuhren dann mit dem Auto heimwärts.
In Heikendorf machten wir noch einen „Boxenstopp“ und gingen essen.

Um 19:30 Uhr waren wir dann Zuhause. Die Sachen waren schnell ausgepackt und wir genossen unser schönes Zuhause!

Nachtrag
Tag 12 – Sonnabend

Das Wetter ist schön und der Garten braucht dringend etwas Zuwendung.
Ernte des Tages
– zwei Säcke mit Kartoffeln
– eine riesige Schüssel Johannisbeeren (inzwischen zu leckerem Gelee verarbeitet)

und

Tag-12-Bild-01

eine riesige Zucchini mit satten 2 Kilogramm Gewicht! 🙂

Eine Hälfte haben wir verschenkt, die andere Hälfte haben wir als gefüllte Zucchini verspeist. Obwohl sie so riesig war hat sie sehr gut geschmeckt. Lediglich die Schale war ungenießbar hart.

Link zu
Tag 1
Tag 2 und 3
Tag 4 und 5
Tag 6
Tag 7 und 8

2 Gedanken zu “Segeltörn Rund Rügen – Tage 9 bis 11

  1. Moin Jens,
    Vielen Dank für deine tollen Berichte! 😊
    Ich habe zwar nicht alle Cappuccinos und Eis gezählt, habe aber immer mitgefiebert und Appetit bekommen. 😉
    Jetzt drücke ich natürlich die Daumen, dass bei J’s Frau alles bestmöglich ausgeht.
    Alles Liebe,
    Luisa

    Gefällt 1 Person

    1. Moin Luisa,
      danke für Dein Lob und Dein Daumen drücken für J’s Frau! Es freut mich, dass Dir die Berichte gefallen haben! 🙂
      Bei den Cappuuccinos habe ich ja nur die erwähnt, die wir auf unseren Landgängen genossen haben.
      Dazu kommen noch unzählige, die wir beim Segeln getrunken haben. 😉
      Die waren zwar aus Fertigpulver, aber jeder von uns hat seine spezielle Mischung, die ihm besonders gut schmeckt. 😉
      Bleib gesund und liebe Grüße
      Jens

      Gefällt 1 Person

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