Segeltörn Rund Rügen – Tage 7 und 8

Segeltörn Rund Rügen – Kurzbericht – Tage 7 und 8

KarteTag 7: Sassnitz –> Neuhof
Tag 8: Neuhof –> Stralsund –> Barhöft

Tag 7 – Montag

Teilweise blauer Himmel und Sonnenschein, der Wetterbericht hat Wind mit 3-4 Beaufort aus West vorhergesagt. Das würde passen, wir würden schnell unterwegs sein und müssten nicht kreuzen um unser Tagesziel Seedorf zu erreichen.
Kreuzen ist bei Seglern aüßerst unbeliebt, es verlängert die zu segelnde Strecke erheblich und ist insbesondere in engeren Fahrwassern mit vielen Segelmanövern verbunden. Meist hat man in der Ostsee dann nicht nur den Wind sondern auch die Strömung (die durchaus bis zu 2 Seemeilen pro Stunde betragen kann) von vorn, was das Ganze noch langwieriger macht.

Als wir nach dem Frühstück auslaufen weht der Wind aus West mit Stärke 3 Beaufort und wir kommen sehr gut voran. Schnell erreichen wir das schmale Fahrwasser südlich von Thiesow und können dieses zwar knapp aber zügig entlang segeln.
Kurz vor Erreichen der Tonne, an der wir den Kurs Richtung Seedorf ändern müssten, springt der Wind auf Richtung Nordwest und nimmt auf 4-5 Beaufort zu. Der gesamte Himmel wird eine einzige graue Wolke, Rügen verschwindet im Dunst und es fängt an heftig zu regnen!!!
Doch kreuzen – so ein Sch…..!!!!
Wir laufen also unseren Kurs weiter um später mit möglichst nur einem Segelmanöver Richtung Seedorf segeln zu können. Zudem hoffen wir, dass der Regen aufhört und der Wind wieder auf West zurückdreht. 🙂

Ca. 1 1/2 Stunden später wissen wir, dass unsere Hoffnung sich nicht erfüllt hat. Es schüttet immer noch wie aus Kübeln, Rügen versteckt sich immer noch im Dunst und der Wind kommt immer noch in unverminderter Stärke aus Nordwest.

Nach Seedorf  betrug die direkte Entfernung ca. zehn Seemeilen, es lag nach wie vor im Regen/Dunst und wir müssten kreuzen, was die zu segelnde Distanz auf  zwölf bis sechszehn Seemeilen erhöhen würde.
Zum nächsten Hafen mit ausreichend Wassertiefe für unser Schiff im Strelasund (Gewässer südlich von Stralsund zwischen dem Festland und der Insel Rügen) betrug die direkte Entfernung ca. zwölf Seemeilen, über dem Festland sah der Himmel sehr viel freundlicher aus und wir müssten nicht kreuzen, wenn wir auf den letzten fünf Seemeilen in dem immer enger werdenden Fahrwasser des Strelasundes den Motor zu Hilfe nehmen.
Wir entschieden uns Seedorf „auszulassen“ und nach Neuhof zu segeln.
Das verschaffte uns außerdem einen zusätzlichen „Reservetag“ falls der Wetterbericht für die nächsten drei Tage recht behalten sollte und auf der Strecke nach Hause (Kurs nahezu West) an einem Tag Westwind von 5 – 6 Beaufort wehen würde.
Bei 5 – 6 Beaufort kreuzen ist möglich, allerdings nimmt gerade in der Ostsee der Seegang dann auch unschöne Formen an. Deshalb tun sich das Fahrtesegler -wie wir- nur an, wenn sie unter Termindruck stehen und nach Hause müssen.  😉

Nach einer weiteren Stunde hörte der Regen auf, der Wind ließ etwas nach, Rügen tauchte wieder aus dem Dunst auf und die Sonne schien gelegentlich zwischen den Wolken durch, wärmte uns und trocknete unser Regenzeug.
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Um ca. 17:30 Uhr waren wir in Neuhof fest.
Nach dem Essen war der Himmel fast durchgängig blau und die Sonne schien.

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Wir haben uns ein wenig die Füße vertreten, die Umgebung des Hafens erkundet

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und haben uns gefreut, dass diese Wolke am Hafen vorbeigezogen ist ohne Regen nach unten zu schicken!

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Auch diese dunkle Wolke hat ihre feuchte Fracht für sich behalten!.

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Eine Seemöwe beäugte mich abschätzend und
entschloß sich vorsichtshalber einen anderen Poller aufzusuchen als ich ihr zu nahe kam.
Dabei habe ich mich ganz langsam bewegt und die ganze Breite des Bootssteges genutzt. Um die Möwe in möglichst großer Entfernung zu passieren.

Tag-07-Bild-05Auf dem Strelasund bewegte sich etwas Merkwürdiges. Der maximale Zoom zeigte mir ein Faltboot mit zwei Masten.
Name: Käpt’n Blaubär.
Sowas habe ich in meinem ganzen langen Leben bisher noch nicht gesehen! 🙂

So klang dieser Tag nach zum Teil scheußlichen Segelwetter doch noch recht freundlich und schön aus!!! 🙂

Tag 8 – Dienstag

Zum Umrunden von Rügen müssen Schiffe mit einer Höhe über dem Wasser vom mehr als 8 Metern eine Klappbrücke bei Stralsund passieren. Für Yachten öffnet die Brücke morgens mittags und abends. Von Neuhof sind es ca. 5 Seemeilen durch das Strelasundfahrwasser bis zur Brücke.
In Neuhof gibt es keine Einkaufsmöglichkeiten, in Barhöft unserem Ziel für heute auch nicht. Für den Rest der Reise brauchten wir aber noch einige Dinge.
Deshalb beschlossen wir im Stadthafen von Stralsund kurz Station zu machen, einkaufen zu gehen und anschließend nach Barhöft zu segeln.

Tag-08-Bild-01 Nach dem Frühstück liefen wir rechtzeitig vor der Öffnungszeit der Klappbrücke aus,
Wind kam mal wieder von vorne und so ließen wir für die knapp 5 Seemeilen bis zur Brücke die Segel eingepackt und fuhren unter Motor.
Bald kam Stralsund in Sicht.
Tag-08-Bild-02

Und kurz darauf waren auch die Brücken gut zu erkennen. Die Hochbrücke ist übrigens hinter der Klappbrücke und hat eine Durchfahrtshöhe von 40 Metern.

Das Signal zeigt ein weißes Licht über zwei roten Lichtern. Das heißt, Schiffe, deren Durchfahrtshöhe so gering ist, dass sie die Brücke im geschlossenen Zustand unterqueren können, dürfen das tun. Mit unseren 18 Metern Durchfahrtshöhe gehören wir nicht zu diesen Schiffen und so hieß es warten bis die Brücke geöffnet wird und das Brückensignal zwei grüne Lichter zeigt, danndürfen wir die offene Brücke passieren.

Tag-08-Bild-03 Tag-08-Bild-04 Die Brücke öffnet
Autos vorne
Bahn hinten

schnell durch!

Tag-08-Bild-10 Kurz hinter der Brücke liegt der Stadthafen.  Mit etwas suchen fanden wir einen freien Liegeplatz und machten uns sofort auf denWeg in die Stadt.

Tag-08-Bild-09 Vorbei an Kunst im Fensterausschnitt

Tag-08-Bild-07 über den Marktplatz
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der grimmige Hund/Wolf ist an der Fassade des Hauses rechts neben der Kirche zu sehen.

zum Supermarkt einkaufen und von da wieder zum

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Marktplatz

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Wo wir dann in diesem Restaurant Mittag gegessen haben. Das Essen war lecker und frisch gestärkt gingen wir wieder zurück zum Yachthafen und an Bord.

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Wir legten sofort ab, setzten Segel und warfen einen letzten Blick auf die Skyline von Stralsund.

Tag-08-Bild-12 Bis Barhöft waren es nur rund neun Seemeilen und unter Aufbietung all unserer seglerischen Fähigkeiten schafften wir es ohne zu kreuzen bis kurz vor die Hafeneinfahrt zu segeln. 🙂

Kochen brauchten wir nicht mehr, wir hatten ja schon Mittag gegessen.

Wir entschlossen uns erst einmal ein Eis essen zu gehen – das ist ja immer eine gute Idee!!! 😉
Beim Eis schlug unser Freund J. vor zum nahe gelegenen Aussichtsturm zu gehen und dort zu entscheiden, ob wir noch weiter gehen oder lieber zurück an Bord gehen wollen.
Wir nahmenden Vorschlag an und nach dem Eis gingen wir los und überließen unserem J. die Führung, da er schon öfter in Barhöft gewesen ist und die Umgebung kannte.

Tag-08-Bild-13 Entlang am Boddengewässer wurden wir von Tausenden Mücken überfallen und gestochen. Tag-08-Bild-14

Tag-08-Bild-15 Durch den Wald und noch ein ganzes Stück weiter.
Weit und breit kein Aussichtsturm in Sicht. Als wir gefühlt schon halb in Rostock waren, sahen wir eine Bank und machten eine Pause.

Wir beschlossen umzudrehen und nicht weiter nach dem Aussichtsturm zu suchen.
Also zurück durch den Wald und am Boddengewässer entlang, wo weitere Myriade von Mücken uns schon erwarteten um uns stechen und aussaugen zu können.
Kurz vor dem Yachthafen war eine kleine Plattform in den Bodden gebaut – sollte das der Aussichtsturm sein????
Auf der Plattform am Bodden angekommen drehe ich mich um und

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was sahen meine imzwischen müden Augen da oben über die Bäume ragen???

Richtig – den Aussichtsturm!!!!

Wir verließen die Plattform und gingen weiter Richtung Yachthafen. Nach wenigen Metern kamen wir an eine Weggabelung.
Auf dem Hinweg hatte J. so sicher und bestimmt gesagt „Da geht es lang!“, dass wir darauf verzichtet haben auf die an der Weggabelung stehenden Wegweiser zu schauen.
Leider hatte J. den falschen Weg gewiesen.
Dazu zwei Zitate aus dem Buch „Perlen der Weisheit“,
„Wer sich auf andere verlässt, ist verlassen!“
„Wer lesen kann ist klar im Vorteil! Besonders wenn er es dann auch tut!“ 😉

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Nach ungefähr 400 Metern waren wir wieder am Yachthafen. Hier ein Blick Richtung Rügen.

An Bord angekommen wurde noch schnell eine Gemüsesuppe für Morgen gekocht. Wir haben Morgen wieder einen langen Segeltag vor uns und eine fertige Suppe ist auch unterwegs schnell warm gemacht und tut gut. Und wenn wir erst spät im Hafen ankommen müssen wir dann nicht mehr kochen.

Das waren übrigens überaus fiese Mücken. Die Stiche hat man nicht gemerkt. Die Einstichstellen schwollen erst nach 24 bis 48 Stunden stark an und erst dann fingen sie auch an heftigst zu jucken!

Fortsetzung folgt. 😉

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2 Gedanken zu “Segeltörn Rund Rügen – Tage 7 und 8

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